Klosterkirche in Zscheiplitz

Seit 2017 Straße der Romanik

Klosterkirche in Zscheiplitz

von Marion Schmidt

Geschichte

Über der Unstrut, auf einem Steilhang weit sichtbar steht die ehemalige Klosterkirche St. Bonifatius. Sie entstand vor 1110, dem Sterbejahr der Stifterin Adelheid. Historiker vermuten, dass sich auf dem Plateau schon um 1040 eine Burg erhob, als die sächsischen Pfalzgrafen ihren Sitz von Goseck nach Zscheiplitz verlegten. Adelheid war die Frau des Markgrafen Friedrich III., den der Thüringer Landgraf Ludwig der Springer ermordete. So kam er an dessen Territorium und heiratete zudem die Witwe. Dies jedenfalls erzählt eine Legende. Ob das Kloster aus dieser Burg hervorging, ist bisher nicht bezeugt. Erste Erwähnungen stammen aus dem Jahr 1203. Sowohl der Ausbau zum Benediktinerinnen-Kloster im ausgehenden 12. Jahrhundert als auch die Nutzung der Gebäude als Kammer-, später Rittergut ab der Mitte des 16. Jahrhunderts erforderten bauliche Veränderungen am Kirchenbau.

Architektur

Das auffallend lang gestreckte Schiff wirkt mit Flachdecke sowie rundbogigem Triumph- und Apsisbogen schlicht, aber schön. Mit dem Einzug der Nonnen im späten 12. Jahrhundert wurde das Schiff nach Westen um einen Nonnenchor erweitert. Es war eine Empore, getragen von der noch heute erhaltenen Doppelarkade, die ursprünglich zum Schiff hin geöffnet war. Ihre Pfeiler besitzen profilierte Kämpfer. Die Empore verschwand nach 1555, der untere Raum - später Familiengruft der Gutsherren – wurde neu überbaut.

Nur kurze Zeit nach dem Bau der Nonnenempore entstand an der Nordseite der Kirche die quadratische Kapelle, ebenfalls mit halbkreisförmiger Apsis gen Osten. Nach Westen erhob sich in dem Raum über der Doppelarkade gleichsam eine Empore. Die Verbindung zum Kirchenschiff übernimmt eine rundbogige Tür, die Fenster und das Portal nach Norden sind schon leicht spitzbogig.

Den mit Netzgewölbe ausgestatteten Altarraum der Kirche nimmt der quadratische Turm mit halbkreisförmiger Apsis in seinem Untergeschoss auf. Die spitzbogigen Fenster an Nord- und Südseite wurden ebenso wie das zweigeteilte Maßwerkfenster in der Apsis gotisch erneuert. Die gedoppelten Schallöffnungen im Glockengeschoss sind hingegen rundbogig, aber auch erneuert (1881).

Kanzel, Altar und hölzerne Emporen stammen von 1893/94. Von einem Epitaph aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts blieb das Kalksteinrelief mit Jesus Christus als Schmerzensmann erhalten.

Heutige Nutzung

Lange Zeit dem Verfall preisgegeben, machten es sich 1985 einige Enthusiasten zur Aufgabe, die aus sorgfältig gefugtem Mauerwerk bestehende, romanische Chorturmkirche zu retten – mit Erfolg. Sie ließen unter anderem den Dachstuhl erneuern, den Kirchturm sanieren und die Bleiglasfenster rekonstruieren. Heute finden Trauungen und Konzerte statt. Erhalten sind neben der Kirche Teile der Klausur (im Herrenhaus des späteren Rittergutes) sowie der Ringmauer inklusive des Mauerturms an der Unstrutseite.


Coverbild des Kunstreiseführers Auf der Straße der Romanik leicht nach hinten gestellt

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Schmidt-Buch-Verlag | Über Uns

Der Schmidt-Buch-Verlag Wernigerode ist ein typisches "Nachwende-Kind". Er wurde am 1. Juni 1990 durch das Journalisten-Ehepaar Marion und Thorsten Schmidt gegründet und seither von Ihnen als Familienbetrieb geführt. Das Programm zeichnete sich schon sehr früh durch eine klare Struktur aus: In dem unabhängigen Harzer Verlagshaus erscheinen Stadt-, Reise- und Wanderführer sowie touristische Sachbücher für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Für die Region Harz wurden mehrere Bild-Text-Bände ediert. Außerdem vervollständigt ein umfangreiches kartografisches Programm für den Harz mit Wanderkarten, Fahrradkarten und Freizeitkarten das Verlagsangebot.
Für unsere Bücher beschäftigen wir engagierte und kompetente Autoren, die sich vor Ort auskennen und ihre Reiseführer regelmäßig aktualisieren. Die professionellen Fotos fertigen wir selbst. So ist jedes Buch made vor Ort. Für Sie.

Schmidt-Buch-Verlag | Straße der Romanik

Noch bevor das große Tourismus-Projekt "Straße der Romanik" eröffnet war, arbeitete der Schmidt-Buch-Verlag an einem Kunstreiseführer zu diesem Thema und erhielt im Zuge einer bundesweiten Ausschreibung durch das Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalts das Prädikat "Offizieller Kunstreiseführer" verliehen. Am 7. Mai 1993, dem Tag der Eröffnung der Straße der Romanik, lag das Werk dann vor.
Bis heute haben wir das Buch, das seit langem als Standardwerk zur Straße der Romanik gilt, mehrfach überarbeitet und aktualisiert. Darüberhinaus unterstützen wir das gesamte Projekt auf mannigfaltige Weise. So erschien im Schmidt-Buch-Verlag bereits 1994 ein von uns initiierter Ergänzungsband "Links und rechts der Straße der Romanik" sowie eine geschichtliche Einführung. Über zehn Jahre gaben wir den Bildkalender "Die Straße der Romanik" heraus. Für dieses Engagement erhielt der Schmidt-Buch-Verlag 1999 den Romanik-Preis. Auch die aktuelle 11. Auflage entstand wieder mit viel Herzblut made vor Ort. Für Sie.