St. Johannis Wernigerode

Seit 2017 Straße der Romanik

Bild St. Johannis Wernigerode

von Marion Schmidt

Beschreibung

Geschichte

In der Übergangszeit zwischen Romanik und früher Gotik entstand die Johanniskirche in Wernigerode, die heute älteste Kirche der Stadt. Zwischen 1265 und 1279 errichtete man den wehrhaften spätromanischen Sakralbau aus Bruchsteinmauerwerk als Pfarrkirche der Neustadt, die vor den Toren Wernigerodes durch Ansiedlung zahlreicher Bauern umliegender Dörfer entstanden war. An die durch die Landflucht wüst gewordenen Dörfer Rimbeck und Hinzingerode erinnern die beiden markanten Dachreiter der Johanniskirche.

Bischof Volrad aus Halberstadt weihte 1279 die Basilika Johannes dem Täufer. Vor allem der kräftige romanische Westturm, aber auch Teile des ehemaligen Querschiffs und der Mittelschiffsarkaden stammen noch aus dieser Zeit.

Baugeschichte

Beim Umbau im 15. Jahrhundert zur querschifflosen Hallenkirche wurden die Seitenschiffe verbreitert und mit Strebepfeilern abgestützt. Die Arbeiten zum Hohen Chor waren 1497 abgeschlossen, worauf die Jahreszahl in der Flachbogennische der Chor-Außenwand verweist. Ein mächtiges Satteldach bedeckt alle drei Schiffe. Dagegen wirkt der eintürmige Westbau von leicht querrechteckigem Grundriss sehr gedrungen. Die rundbogigen Biforien im Glockengeschoss – zwei auf jeder Seite – wurden erneuert. Seit 1446 ragt darüber ein vom Viereck ins Oktogon übergehender Spitzhelm empor. Erst nach den baulichen Veränderungen 1864 bis 1885 war der Turm durch das neue Westportal mit Säulen und Tympanon von außen zugänglich. Heute betritt man die Kirche allerdings durch die Vorhalle an der Südseite. Über dem Eingang empfängt eine Holzplastik Johannes des Täufers den Besucher. Es handelt sich um ein Werk des Wernigeröder Bildhauers Heinz Ziomek und stellt Johannes als „Rufer in der Wüste“ dar. Die ursprünglich an dieser Stelle angebrachte 500jährige Holzplastik ist im Inneren der Kirche an der Südwand des Chores zu bewundern. 2007 haben Fachleute damit begonnen, den Außenbau der Kirche nach historischem Vorbild zu verputzen.

Innenausstattung

Im Inneren öffnet sich der Turm zum Schiff hin in zwei Rundbogenarkaden. Je zwei Rechteckpfeiler mit spitzbogigen Arkaden teilen das Langhaus in Mittelschiff und Seitenschiffe. Schmucklose Strebepfeiler und unsymmetrisch angeordnete Fenster gliedern die Außenwände. Das südliche romanische Querhaus blieb erhalten und wurde zweigeschossig zur Sakristei mit Empore umgebaut. Sieben Maßwerkfenster gliedern den gotischen Chor. Ihre ursprüngliche bunte Verglasung wurde 1944 während eines Bombenabwurfs zerstört. Erst im April 2016 erhielt der Chor neue Fenster. Der überregional geschätzte Glasgestalter Günter Grohs aus Wernigerode entwarf Motive, die trotz ihrer Abstraktheit unter anderem durch ihre Farben intensiv mit dem gotischen Altar kommunizieren. Dieser doppelt klappbare Altar aus dem beginnenden 15. Jahrhundert ist ein echtes Schmuckstück. Im Mittelpunkt des großzügig mit Gold und Farbe bedachten Schnitzwerks steht die Madonna mit Kind, umgeben von vier biblischen Szenen aus Jesus Kindheit. Die geöffneten Flügel zeigen Bibelszenen in Form aufwendiger Schnitzplastiken. Ist der Altar geschlossen, präsentieren sich dem Betrachter auf Gemälden abermals Darstellungen aus der Kindheit Jesu, wobei sich einige Szenen wiederholen. Zur weiteren Ausstattung gehören ein Taufstein (1569), eine Renaissance-Holzkanzel (um 1600), ein Kruzifix (um 1500) an der Chornordwand und Epitaphe aus verschiedenen Jahrhunderten mit Darstellungen von Predigern der Johanniskirche.


Coverbild des Kunstreiseführers Auf der Straße der Romanik leicht nach hinten gestellt

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Schmidt-Buch-Verlag | Über Uns

Der Schmidt-Buch-Verlag Wernigerode ist ein typisches "Nachwende-Kind". Er wurde am 1. Juni 1990 durch das Journalisten-Ehepaar Marion und Thorsten Schmidt gegründet und seither von Ihnen als Familienbetrieb geführt. Das Programm zeichnete sich schon sehr früh durch eine klare Struktur aus: In dem unabhängigen Harzer Verlagshaus erscheinen Stadt-, Reise- und Wanderführer sowie touristische Sachbücher für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Für die Region Harz wurden mehrere Bild-Text-Bände ediert. Außerdem vervollständigt ein umfangreiches kartografisches Programm für den Harz mit Wanderkarten, Fahrradkarten und Freizeitkarten das Verlagsangebot.
Für unsere Bücher beschäftigen wir engagierte und kompetente Autoren, die sich vor Ort auskennen und ihre Reiseführer regelmäßig aktualisieren. Die professionellen Fotos fertigen wir selbst. So ist jedes Buch made vor Ort. Für Sie.

Schmidt-Buch-Verlag | Straße der Romanik

Noch bevor das große Tourismus-Projekt "Straße der Romanik" eröffnet war, arbeitete der Schmidt-Buch-Verlag an einem Kunstreiseführer zu diesem Thema und erhielt im Zuge einer bundesweiten Ausschreibung durch das Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalts das Prädikat "Offizieller Kunstreiseführer" verliehen. Am 7. Mai 1993, dem Tag der Eröffnung der Straße der Romanik, lag das Werk dann vor.
Bis heute haben wir das Buch, das seit langem als Standardwerk zur Straße der Romanik gilt, mehrfach überarbeitet und aktualisiert. Darüberhinaus unterstützen wir das gesamte Projekt auf mannigfaltige Weise. So erschien im Schmidt-Buch-Verlag bereits 1994 ein von uns initiierter Ergänzungsband "Links und rechts der Straße der Romanik" sowie eine geschichtliche Einführung. Über zehn Jahre gaben wir den Bildkalender "Die Straße der Romanik" heraus. Für dieses Engagement erhielt der Schmidt-Buch-Verlag 1999 den Romanik-Preis. Auch die aktuelle 11. Auflage entstand wieder mit viel Herzblut made vor Ort. Für Sie.