Burgruine Schönburg

Seit 2017 Straße der Romanik

Burgruine Schönburg

von Marion Schmidt

Baugeschichte

Als markantes Beispiel für spätromanische Befestigungsbaukunst steht die heutige Ruine Schönburg, die sich ihre Grundformen aus der Entstehungszeit bewahren konnte. Der Thüringer Graf Ludwig der Springer hatte im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts den Bau der trapezförmigen Anlage auf einer 40 Meter hohen Buntsandsteinkuppe über der Saale begonnen. Im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts waren die Arbeiten abgeschlossen. Aus dem Jahre 1157 stammt die erste nachweisliche Erwähnung eines sogenannten Burgwarts mit zwölf Dörfern. Das Anwesen diente offensichtlich zu allererst Verteidigungszwecken, könnte aber auch Verwaltungssitz gewesen sein. Sicher ist, daß die Naumburger Bischöfe in der Schönburg ihre ländliche Sommerresidenz gefunden hatten.

Architektur

Zwei Drittel nimmt die Vorburg in Anspruch, ein Drittel bleibt der Hauptburg. Um das Gelände führt eine Ringmauer, an der Zugangsseite sogar in doppelter Ausführung. Haupt- und Vorburg trennte ein hoher Zwinger. Von ihm sind noch Teile zu sehen, so das Torhaus – ein quadratischer Turm, der allerdings den größten Teil seiner Bekrönung verloren hat. Das Portal (um 1170) ist rundbogig. Seine Pfosten haben Ecksäulchen mit Würfelkapitellen, verziert durch flaches Palmettendekor. In der Stirnwand des Torhauses befindet sich eine Flachbogennische mit Vorrichtungen für das Fallgatter. Eine weitere Nische diente offensichtlich dem Aufschlagen der Zugbrücke.

Gleich am Zwinger steht, zur Kernburg gehörend, das sogenannte Gerichtshaus, in dem heute ein Standesamt eingerichtet ist und dessen tonnengewölbte Keller noch der romanischen Bauzeit entstammen. Vom romanischen Palas existieren nur noch Teile der Nord- und der Westwand mit ursprünglich dreiteiligen Fenstern, die jedoch ausgebrochen, erneuert oder verändert worden sind. Von der einstigen Burgkapelle fehlen steinerne Überreste gänzlich.

Gut erhalten blieb der runde, 32 Meter hohe Bergfried. Sein über drei Meter starkes Mauerwerk fügt sich aus Sandsteinquadern zusammen. Im Untergeschoss befand sich das sichere Burgverlies. Der Eingang zu ebener Erde besteht wohl seit dem 16. Jahrhundert. Ursprünglich führte eine Holzbrücke vom Palas aus direkt zum acht Meter hoch gelegenen rundbogigen Eingang des Bergfrieds. Hier birgt die Mauer in sich eine kleine Kammer mit tonnengewölbter Nische, vermutlich dem Abort. Das Eingangsgeschoss diente als Wohnraum, worauf auch der Kamin mit gerundetem Abzug auf Konsolen und Kämpfern (zweites Viertel 13. Jahrhundert) verweist. Den oberen Abschluss des Turmes bildet der steinerne Helm. Eine Pforte führt auf den Wehrgang mit Zinnen, unterbrochen vom einstigen Wächterstübchen.

Aktuelle Ausstellung

Der Bergfried wird heute als Aussichtsturm genutzt und beherbergt eine Ausstellung über die Burggeschichte. Von der romanischen Vorburg blieben die Ringmauern größtenteils bestehen. In der Mitte der Westmauer führt eine Rundbogenpforte hinaus zu einem Altan. Die als Gaststätte ausgebaute Försterei entstand 1539/40. 1606 richtete ein Sturm riesigen Schaden auf der Schönburg an, der nachfolgend nicht behoben wurde. Zur Ruine wurde die Anlage aber vor allem nach 1668 durch Plünderer, die die bearbeiteten Quadersteine wesentlich besser für den Bau ihrer Wohnhäuser genutzt sahen.


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