Dorfkirche Flemmingen

Seit 2017 Straße der Romanik

Wandmalerei in der Dorfkirche Flemmingen

von Marion Schmidt

Geschichte

Der 36 Meter hohe spitze Turm von St. Lucia ragt weithin sichtbar aus dem alten Straßendorf Flemmingen, das heute zum wenige Autominuten entfernten Naumburg gehört. Der Ortsname lässt sich wahrscheinlich von den holländischen Flamen ableiten, die sich hier um 1140 auf Initiative des Naumburger Bischofs Udo I. ansiedelten. Dieser nutzte die Erfahrungen der Kolonisten, um die hiesigen Waldbestände zu roden und landwirtschaftliche Flächen zu schaffen, inklusive praktischer Be- und Entwässerung. Links und rechts der Straße reihen sich gen Acker große Hofanlagen (im 19. Jahrhundert überformt) aneinander. Im Zentrum liegt der Dorfplatz mit der romanischen Kirche, deren Bau noch vor 1200 abgeschlossen war. Die Heilige Lucia aus Syrakus, um 310 hingerichtet, wurde von den Bauern verehrt. Da ihr im Martyrium auch die Augen ausgestochen wurden, gilt sie ebenso als Patronin gegen Augenleiden.

Architektur

Vieles von ihrer Ursprünglichkeit bewahrt die Chorturmkirche noch heute. Sie besteht aus dem Schiff, dem Chor mit Turm und der halbkreisförmigen Apsis. Im Laufe der Zeit (hauptsächlich um 1508 und um 1740) wurden die Fenster vergrößert, der Turm für Glocken erhöht und mit dem spitzen Helm versehen, das Schiff leicht erhöht, um die Empore und die beiden Logen einbauen zu können, sowie der kleine Vorbau geschaffen, der erst nach dem Betreten den Blick auf das schmucke romanische Eingangsportal an der Südseite freigibt. Es liegt zwei Stufen abwärts, weil sich das Erdreich bedingt durch die Bestattungen ringsum die Kirche erhöht hat. Zwei schlanke Säulen tragen mit Ornamenten verzierte Würfelkapitelle, auf denen das mit Palmetten dekorierte Tympanon (Bogenfeld) ruht. An der Nordseite des Chorraumes ist eine romanische Priesterpforte mit Kreiskreuz im Tympanon nur noch in der Vermauerung erkennbar.

Innenausstattung

Die Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert - doppelte hufeisenförmige Empore, barocker Kanzelaltar, Pelikan-Lesepult und Taufengel - dominiert das Innere der Kirche. Eine Orgel (1852) von Carl Winter steht auf der Westempore.
Doch die Blicke des Romanik-Liebhabers fallen sicher zu allererst auf die Wandmalereien in Chor und Apsis. Während sich auf der Chorsüdwand Szenen aus dem Leben des Heiligen Sebastian abspielen, bildet Christus als Weltenrichter mit Buch und Schwert das Hauptmotiv in der Apsis. Vor allem dank dieser Fresken aus der Zeit um 1200 kommt der Flemminger Dorfkirche eine überregionale Bedeutung in der Kunstgeschichte Mitteldeutschlands zu. Voruntersuchungen zur jüngsten Restaurierung im Jahre 2005 ergaben 17 Farbschichten übereinander. 1911 waren die romanischen Wandmalereien bei Renovierungsarbeiten wieder entdeckt worden.


Coverbild des Kunstreiseführers Auf der Straße der Romanik leicht nach hinten gestellt

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Schmidt-Buch-Verlag | Über Uns

Der Schmidt-Buch-Verlag Wernigerode ist ein typisches "Nachwende-Kind". Er wurde am 1. Juni 1990 durch das Journalisten-Ehepaar Marion und Thorsten Schmidt gegründet und seither von Ihnen als Familienbetrieb geführt. Das Programm zeichnete sich schon sehr früh durch eine klare Struktur aus: In dem unabhängigen Harzer Verlagshaus erscheinen Stadt-, Reise- und Wanderführer sowie touristische Sachbücher für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Für die Region Harz wurden mehrere Bild-Text-Bände ediert. Außerdem vervollständigt ein umfangreiches kartografisches Programm für den Harz mit Wanderkarten, Fahrradkarten und Freizeitkarten das Verlagsangebot.
Für unsere Bücher beschäftigen wir engagierte und kompetente Autoren, die sich vor Ort auskennen und ihre Reiseführer regelmäßig aktualisieren. Die professionellen Fotos fertigen wir selbst. So ist jedes Buch made vor Ort. Für Sie.

Schmidt-Buch-Verlag | Straße der Romanik

Noch bevor das große Tourismus-Projekt "Straße der Romanik" eröffnet war, arbeitete der Schmidt-Buch-Verlag an einem Kunstreiseführer zu diesem Thema und erhielt im Zuge einer bundesweiten Ausschreibung durch das Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalts das Prädikat "Offizieller Kunstreiseführer" verliehen. Am 7. Mai 1993, dem Tag der Eröffnung der Straße der Romanik, lag das Werk dann vor.
Bis heute haben wir das Buch, das seit langem als Standardwerk zur Straße der Romanik gilt, mehrfach überarbeitet und aktualisiert. Darüberhinaus unterstützen wir das gesamte Projekt auf mannigfaltige Weise. So erschien im Schmidt-Buch-Verlag bereits 1994 ein von uns initiierter Ergänzungsband "Links und rechts der Straße der Romanik" sowie eine geschichtliche Einführung. Über zehn Jahre gaben wir den Bildkalender "Die Straße der Romanik" heraus. Für dieses Engagement erhielt der Schmidt-Buch-Verlag 1999 den Romanik-Preis. Auch die aktuelle 11. Auflage entstand wieder mit viel Herzblut made vor Ort. Für Sie.